Roggen und Weizen
Ick hev di lev
Mein Freund Eggert und ich, Regimentskameraden, waren
bald innig verbunden. Aber schon nach zwei Jahren wurden
wir durch Versetzung weit getrennt. Während ich
am Rhein und in Westfalen Dienst tat, exerzierte Eggert
Rekruten in Pommern; stand er in Posen und Schlesien,
war ich an die dänische Grenze befohlen. Im französischen
Kriege hatten wir uns nach zehn Jahren ganz kurz vor
Metz gesehen, während unsere Regimenter einander
vorbeimarschierten. Und nun waren es wieder mehrere
Jahre des Weitauseinanderseins gewesen, bis mir vor
einigen Tagen die freudige Nachricht wurde, daß
Eggert mich besuchen wolle.
Bald saß er vor mir und erzählte.
»Als wir damals versetzt
wurden, Du nach Berlin, ich in das kleine Nest bei Stettin,
war es mein erstes, mir in der Nähe des Städtchens
eine Jagd zu pachten. Du kennst meine Leidenschaft.
Du weißt, wie es für mich Lebensbedingung
ist, Gesellschaft und Menschen zu Zeiten zu entfliehn
und allein mit Hund und Gewehr durch die Heide zu ziehn
und unterm Busch mein Frühstück zu verzehren.
Mitten in meinem Reviere stand
ein kleiner Krug. Eine sandige Straße führte
vorbei; er lag einsam und abseits. Gleich beim ersten
Durchschreiten meiner Jagdgründe kehrte ich dort
ein. Ich fand eine Gesellschaft, wie man sie oft in
solchen Kneipen findet: Hausierer, Viehhändler,
Holzknechte. Alles schrie durcheinander; Betrunkne lagen
mit den Köpfen auf dem Tisch. Der Jäger im
Jagdrock, und wenn er auch der Vornehmste ist, nimmt
ruhig darin Platz. Und dann auch freute es mich, einmal
einen Blick in solches Treiben zu werfen. Während
mein Hund gierig in einem Wassereimer schlappte, und
ich meinen Hut an den Nagel hing, musterte ich rasch
das Innere. Als ich mich gesetzt hatte, bemerkte ich
am Schenktisch ein junges Weib, das, ohne auf mich zu
achten, mit niedergeschlagnen Wimpern an einem wollnen
Jäckchen mit zwei hellbraunen hölzernen Stöcken
strickte. Erst als ich ein Glas Bier bestellte, öffneten
sich die Lider; sie sah mich von der Seite an und brachte
mir dann das Gewünschte.
In der Kneipe war es bei meinem
Eintreten stiller geworden. Die Leute tuschelten, wer
ich sei. Aber bald wurde es wieder lebhafter. Das Weib
hinter dem Schenktisch ging stumm und ohne zu lächeln
zwischen den Gästen umher, wenn sie nach Getränk
gerufen wurde. Alle, selbst der Roheste, begegneten
ihr höflich. Kein plumper Scherz gegen sie wurde
lautbar. Ja, eine gewisse väterliche Zärtlichkeit,
die allerdings oft ungeschickt herauskam, war mir auffallend.
Ich bestellte mir ein Jägeressen
und folgte, als es bereit war, ihrem Wunsche, in die
Nebenstube einzutreten. Hier war alles sauber und reinlich.
Es war die Kammer des ältlichen
Wirts, der heute in die Stadt gegangen war.
Das stille Wesen, das ich gebeten
hatte, sich einen Augenblick neben mich zu setzen, erzählte
mir nun auf mein Befragen, daß sie Witwe sei,
einen Knaben von drei Jahren habe und hier beim Wirte,
der ein Verwandter von ihr sei, die Haushaltung führe;
sie habe es gut bei ihm.
Und während sie so neben mir
auf der Kante eines Stuhles saß, mit gesenkten
Augen, knappe Antworten gab in leisem Tone ohne Erhebung
der Silben, kam mir plötzlich ein reges Mitleid;
ich betrachtete sie genauer: welch ein feines, blasses
Gesichtchen, welch schlanker, biegsamer Wuchs; und über
dem allen lag eine Ruhe, in ihrem Wesen eine geheimnisvolle
Stille.
»Wie heißen Sie, schöne
Frau?«
Sie schlug die Augen groß
zu mir auf: »Maria«.
Wie das klang! In der Sprachweise
der Gegend um so seltsamer, anziehender: Sie hatte sich
dann gleich wieder auf ihre Arbeit geneigt. Drinnen
wurde sie mehrfach verlangt; aber sie kehrte wieder
zu mir zurück, den alten Platz einnehmend. Einmal
sah ich, wie sie von der Seite meine Hände beobachtete.
Sie fragte mich, ob ich Offizier sei. »Weshalb
meinen Sie das, Maria?« »Weil Sie so weiße
Hände haben.« Ich lachte.
Als ich mit dem Essen fertig war,
nahm ich Hut, Tasche und Gewehr und, durch die Schankstube
schreitend, sagte ich den dort Sitzenden Lebewohl. Ein
allgemeines: »Addis, Herr Leitnant,« war
die Antwort.
Ich bat die junge Frau, mich an
die Haustür zu begleiten und mich über die
Umgegend zu unterrichten. Sie tat es. Nicht schnell,
nicht zögernd; aber gleichmäßig ruhig.
Es lag in ihren Bewegungen, wenn sie gerufen wurde,
etwas unbeschreiblich Anziehendes: wie eine Sklavin,
die gehorchen muß, folgte sie; und dennoch lag
in ihrer Ruhe etwas Gebietendes.
Sie nannte mir die Namen der Dörfer
und Wälder, die vor uns in der Nachmittagsonne
lagen. Die Richtung gab sie mit dem Kopfe an, unaufhörlich
an ihrer Arbeit strickend.
Leichte, lose, verzeihliche Leutnantswünsche
wurden in mir rege: Ich dachte mir, wie hübsch
es sei, hier nach der Jagd auszuruhn.
Um ihre Hüften schlug ich
den Arm. Sie ließ es geschehen; aber dennoch stand
sie gleich wieder frei neben mir.
Und dann geschah etwas, was ich
mir noch heute nicht erklären kann: ich fühlte,
wie weiland Herr Oluf, plötzlich einen Schlag,
der mein Herz getroffen hatte; ich fühlte ihn körperlich,
denn ich knickte in demselben Augenblick ein wenig mit
dem Oberkörper nach vorn. Die Witwe konnte mich
nicht mit der Hand berührt haben. Sie stand, strickend,
neben mir. Aber ihre Augen waren auf mich gerichtet
mit einem so traurigen, rettungsuchenden, liebesvollen,
liebesleeren Blick.
Und von Stund an liebte ich sie.
Die Station Granzow, wohin ich
von meiner Garnison aus fuhr, wenn ich in meinem Revier
jagen wollte, lag zwanzig Minuten von dieser entfernt.
Von Granzow aus brauchte ich, immer auf meinem eignen
Gebiet gehend, eine halbe Stunde, um den einsamen Heidkrug
zu erreichen.
Wenn es irgend meine freie Zeit
zuließ, war ich auf meiner Jagd. Das fiel nicht
auf. Jeder kannte meine Leidenschaft, mit Hund und Gewehr
allein umherzuschweifen.
Ich war jedesmal in der kleinen
Schenke; auch das konnte nicht befremden. Mit der jungen
Frau kam ich nicht weiter. Ich hatte kaum Gelegenheit,
mit ihr allein zu sein.
Unter den Gästen fiel mir
oft ein junger Mensch auf, der meistens eine halbe Stunde
nach meiner Ankunft im Heidkrug eintraf. Ich hörte
bald, daß Paulsen ein Eisenbahnarbeiter von Granzow
sei. Er saß fast immer allein, still vor sich
hinsehend; wenn er lachte, so schienen in dem dunklen
Gesicht prächtige Zähne. Ich merkte bald,
daß er, wenn er sich unbeobachtet glaubte, die
junge Frau mit seinen Augen verfolgte, und auch, daß
Maria ihn mehr als andre mit ihren braunen Augen festhielt.
In der Umgegend, im Dorfe, wurde mir erzählt, daß
sie und Paulsen als Verlobte galten. Über den guten
Ruf der Witwe gab es nur eine Stimme. Sie lebte nur
für ihr Kind.
Einige Wochen waren vergangen.
Die Junisonne segnete das Feld. Mit der Witwe stand
ich auf dem alten Fuß. Ich liebte sie, aber niemals
gelang es mir, die Entdeckung zu machen, daß ich
von ihr wieder geliebt werde. Sie sah mich still an,
wie sie die andern Menschen ansah. Kleine Geschenke
von mir nahm sie, fast verdrossen, ohne Dank; aber sie
wäre kein Weib gewesen, wenn sie diese verweigert
hätte.
Es war ein glühend heißer
Sommertag. Ich kam ermattet im Kruge an. Maria saß
wie immer bei der Arbeit. Die Stube war leer. Ich bat
um ein kühles Getränk. Dann setzte sie sich
auf ihren Stuhl, ich ins Sofa. Ich wurde unruhig; ging
auf und nieder. Wir sprachen kein Wort. Endlich trat
ich vor sie hin, beugte mich zu ihr und küßte
sie. Sie ließ es geschehen, wie eine demütige
Sklavin.
Ich ging wieder auf und ab, um
schließlich mitten im Zimmer stehn zu bleiben:
ich bat sie, zu mir zu kommen, um mir über ein
Gehöft, das von hier aus zu sehn war, Auskunft
zu geben. Sie legte die Arbeit neben sich und trat an
meine Seite.
Ich legte meinen Arm um ihr Gürtelband.
Wir schauten in die Landschaft, schweigend. Wie war
es dann gekommen, daß ich ihre zarten Ärmchen,
zwei weiße, heiße Schlangen, um meinen Nacken
gelegt fühlte. Sie preßte mich an sich; sie
küßte mich. Und dann, in überhastender
Weise, flüsterte ich ihr tausend Liebesworte. Sie
erwiderte nichts.
Niemals kann ich die kurze Stunde
vergessen: wie sie, von mir gehalten, träumend,
schauernd, durch die Scheiben, ohne zu sprechen, ins
Land sah, ein kindliches, stilles, oft wie ein ungläubiges
Lächeln auf den Lippen.
Plötzlich wurde sie unruhig;
sie horchte. Und ehe sie sich noch meinen Armen entzogen
hatte, sagte sie im pommerschen Platt: »He kummt;
he hett't sehn.«
Und der junge Eisenbahnarbeiter,
der in diesem Augenblick an den niedrig gelegnen Fenstern
vorbeiging, konnte uns in der Tat entdeckt haben. Er
erschien gleich darauf in der Schenkstube. Ich behielt
meine Geistesgegenwart. Maria machte sich an der Schenkbank
zu schaffen.
Aber kein Blick von ihm verriet,
was wir argwöhnten. Ich sprach mit ihm von der
heutigen Jagd, von der Hitze draußen, und was
man sonst redet. Dann bezahlte ich meine Zeche und ging
aus dem Kruge meiner Station zu.
Am vierundzwanzigsten August war
in diesem Jahr die Hühnerjagd eröffnet. Als
ich mich am ersten Tage satt geschossen hatte, ging
ich abends müde auf das kleine Wirtshaus zu.
In die Haustür tretend, kam
mir Paulsen entgegen. Er zeigte mir einen Paß,
auf ein Jahr nach den Vereinigten Staaten geltend, und
fragte mich in bescheidener Weise in betreff seiner
Militärverhältnisse. Ich gab ihm Auskunft
und fragte dann meinerseits verwundert, ob er an eine
Reise nach Amerika schon lange gedacht habe. Er hätte
sie erst vor acht Tagen geplant und morgen schon wolle
er nach Hamburg; übermorgen schwimme er auf der
Elbe.
Ich sagte ihm Lebewohl und wünschte
ihm eine glückliche Reise.
Dann schieden wir. Auffälliges
entdeckte ich in seinem Wesen nicht.
Als ich in die Gaststube trat,
spielte darin der kleine Sohn der Witwe mit Sand und
Bausteinen. Sie war sonst leer. Niemals hatte ich ein
so schönes Kind gesehn; wie ein in Fleisch und
Blut übergegangener Raphaelscher Engelbengel.
In dieser Minute trat die Mutter
ein und blieb in der Tür stehn. Sie hatte mich
nicht kommen sehn. »Gib mir so einen kleinen Leutnant,
Maria,« sagte ich harmlos zu ihr. Sie aber, die
sonst wohl, was sie als Witwe durfte, in ihrer stillen
Weise darauf erwiderte, blieb diesmal stumm, errötete
tief und machte sich an den Gläsern zu schaffen.
Als ich sie fragte, Paulsen wäre wohl hier gewesen,
um Abschied zu nehmen, hörte ich ein leises »Ja«.
Dann verließ sie das Zimmer.
Es war kein Mensch im Hause. Der
Alte und das Dienstmädchen machten Einkäufe
in der Stadt. Sie sollten erst am andern Morgen wiederkommen.
Die Abendsonne lag in den Scheiben.
Maria hatte den Kleinen zu Bette gebracht; sie saß,
arbeitend, neben mir.
»War Paulsen heute lange
hier?« fragte ich etwas ungeschickt. Sie legte
das Strickzeug nieder und sah mich an, ohne zu antworten.
Still stand sie auf, ging ans Fenster und biß
sich auf den Knöchel des rechten Daumens. Dann
sich wendend, kam sie auf mich zu, langsam, schwebend,
und tief errötend fiel sie mir um den Hals und
sagte leise: »Ick hev di lev«. Am andern
Morgen, früh vier Uhr, war ich auf dem Wege zur
Station vom Wirtshaus aus. Um mir den Gang zu kürzen,
ging ich meistens durch einen kleinen Tannenbusch, durch
den ein schmaler, fußbreiter Steig führte.
Gleich nachdem ich ihn betreten hatte, stand Paulsen
vor mir. Er hatte die Hände in den Hosentaschen
und starrte mich an. »Herr Leutnant wollen wohl
zum Bahnhof?« sagte er höflich. »Ja,
aber woher kommen Sie denn so früh, Paulsen?«
Statt der Antwort sprang er wie ein Tier auf mich zu
und riß mich zu Boden. Ich fiel hart auf den Hinterkopf
und stieß mir am Hahn meines Lefaucheux schmerzlich
den Wirbelknochen. Er setzte ein Knie auf meine Brust,
und mir mit seinen Händen meine Arme rechts und
links (sie lagen, als wäre ich gekreuzigt) festschraubend,
fühlte ich seinen heißen Atem, sah ich in
seine weitaufgerissenen Augen.
Ruckweise stöhnte er: »Wo
– wärst Du – düsse Nacht? Sprick
oder ick slag Di dod. Wärst Du in de Krog? . .
. Wärst Du in de Krog?« wiederholte er mit
heiserer, ächzender Stimme und würgte mich.
»Ick – ick – ick wär –
den ganzen – Dag – bi ehr« glühte
er.
In diesem Augenblick gab mir eine
wahnsinnige Eifersucht die Kraft einer Welt. Ich riß
mich los und kniete im Umsehen auf Paulsen. Mit der
rechten Hand griff ich in seinen Hemdkragen und umkrallte
seinen Hals: »Hund . . . ich . . . ich . . . ich
. . .« (und das »ch« stieß ich
in Gutturaltönen aus, es wie die Schweizer aussprechend).
Aber Paulsen zerrte aus seiner Hosentasche ein breites
Brotmesser und grub es mir bis ans Heft in die linke
Schulter, daß ich wie von einem heimtückischen
Blei getroffen zur Erde fiel.
Gigliaglio, Gigliaio, Giglio, Gigliaglio
. . . aber der Pirol nistet doch nicht im Nadelwald
. . . Der Pirol? Der Pirol? . . . der muß ja schon
weg sein . . . Gigliaglio, Giglio, Gigliaio . . . wie
das milde regnet . . . ein sanfter, leiser, ruhiger
Frühlingsregen . . . Augen auf . . . rot? . . .
Augen zu . . . Es regnet noch immer leise fort . . .
mein Hemd ist durchnaß . . . Ja so . . . so? .
. . Gigliaio, Giglio . . . nun schwimme ich . . . ein
warmes Bad . . . köstlich . . . Maria? Maria küßt
mir die Stirn: Ick hev di lev . . . Gigliaglio, Gigliaio,
Giglio . . . Gig . . . li . . . o . . .
Die alte, gute Brotfrau Anna Schweims
hatte mich nach zwei Stunden in einer Blutlache gefunden
und sofort Anzeige auf dem Bahnhofe gemacht.
Es vergingen drei Wochen, ehe ich
zur Besinnung kam, ehe ich vernommen werden konnte.
Ich erhorchte aus den Gesprächen meiner Umgebung,
daß allgemein die Meinung vertreten wäre,
ich sei von einem Wilddieb angefallen. Ich machte es
mir zu Nutze.
Noch während meiner Rekonvalescenz
wurde ich, veranlaßt durch andere Umstände,
nach Trier versetzt.
Auf meiner Jagd bin ich nicht wieder
gewesen.
Erst im nächsten Sommer erkundigte
ich mich unter der Hand nach der Witwe. Ich hörte,
daß sie im Frühling einem Knaben das Leben
gegeben, bei der Entbindung aber gestorben sei. Und
von Stund an kam eine Unrast über mich.
Endlich nun, nach elf Jahren, hielt
es mich nicht länger. War der Junge noch am Leben,
so war er so alt, daß aus seinem Gesicht die Ähnlichkeit
erkennbar sein mußte.
Ich reiste an Ort und Stelle und
erfuhr, daß der Knabe im Dienste eines reichen
Bauern sei. Ihm war der Name nach dem Dorfe gegeben,
wo er geboren war. Die Mutter hatte sich bis zum Tode
geweigert, den Vater zu nennen. Gnutz hieß das
Dorf.
Vor einem großen Hofe an
einer Scheune stand ein mit Torf beladner Wagen. Ein
halberwachsener Junge strängte die Pferde an. Ich
konnte nur seinen Rücken sehn. Eine helle Knabenstimme
sang dabei.
Eine Schwalbe macht kein' Sommer,
Wenn sie auch die erste ist . . .
Er mochte das Lied von den Knechten, die Soldaten gewesen,
gehört haben.
»He, Du! Bist Du Hans Gnutz?«
rief ich; und als er sich umsah, stand mein Herz still.
»Ja, Herr, der bin ich.«
Ich ging rasch auf ihn zu, nahm
seinen Kopf zwischen die Hände und sah ihm tief,
tief in die Augen. Ich forschte in seinen Zügen
nach dem, was mein Herz bewegte, was mich hierher getrieben
. . . In diesem Augenblick stand Paulsen vor meinem
inneren Auge . . . Aber nichts von ihm fand ich im Gesicht
des Knaben. Nur sie sah ich, nur ihre Gestalt, nur der
Mutter große, braune, wunderbare Augen, nur ihren
stummen Blick . . .
Ich hatte noch am Nachmittag desselben
Tages eine Summe auf dem Amtsgericht der kleinen Stadt
für den Knaben Hans Gnutz niedergelegt. Die Unruhe
verließ mich nicht; ich schlief schlecht.
Als ich im Hôtel am andern
Morgen das Lokalblättchen las, fiel mir bald unter
»Gnutz« die kurze Notiz auf:
»Gestern Mittag fiel der
Dienstjunge Hans Gnutz von einem mit Torf beladnen Wagen
und blieb auf der Stelle tot. Er war mit den vorn liegenden
Soden, auf denen er saß, auf die Deichsel geglitten.
Ein Rad hatte ihm den Hals zerdrückt.«
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