Roggen und Weizen
Übungsblätter
Der Siegesbote von Marathon
Der Siegesbote von Marathon
Heute, am heißen Septembertage,
auf der Jagd, legte ich mich in der Nähe eines
kleinen raschfließenden Flusses unter den Schatten
eines Knicks. Ich wollte mich abkühlen, um dann
ein Bad zu nehmen. Aber ich schlief ein.
Plötzlich erwache ich durch
Gelächter, Rufen, Geplätscher. Vor mir sehe
ich fünf, sechs junge Männer, fast Knaben
noch, in die Welle gehn. Wie sie sich herumtummeln im
Wasser, sich tauchen, sich zu haschen suchen, schwimmen,
sich bespritzen, Kunststücke machen. Es ist ein
Vergnügen, sie zu beobachten. Nun steigt einer
von ihnen ans Ufer und läuft am Rande des Stromes,
verfolgt von den jubelndsten Neckereien seiner Kameraden.
Er läuft und läuft. Will er sich in der Sonne,
in der Luft trocknen? Gleichviel, er läuft. Nun
macht er kehrt; immer derselbe gleichmäßige
Lauf. Die Unterarme stehn im rechten Winkel zu den Oberarmen,
sein Kopf ist leicht vorgebeugt, er trinkt die Luft;
seine Fersen schlagen ihm fast den Rücken.
Jetzt hält er die rechte Hand
hoch, wie der Merkur von Giovanni da Bologna. Bin ich
im alten Griechenland? Ist es der Siegesbote von Marathon
auf dem Wege nach Athen?
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